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50 Jahre HDS - Von der Mütterschule zur Familienbildungsstätte

1. Allgemeine geschichtliche Entwicklung

Die Wurzel des heutigen Vereins Hedwig Dornbusch-Schule e.V. ist insbesondere die Mütterschule, wie sie sich im letzten Jahrhundert darstellte. Sie war von Anfang an geprägt von der ideologischen Erziehung für die Erfüllung familiärer Funktionen und hauswirtschaftlicher Aufgaben. Träger waren in der Regel die in der jeweiligen Stadt organisierten Frauenverbände.

1916 wurde die erste Mütterschule eingerichtet, die Modellcharakter für die Einrichtung vieler weiterer bekam. Die Mütterschulen sind die Vorläufer der heutigen Familienbildungsstätten. Die ersten Kurse in der Stuttgarter Mütterschule waren - entsprechend den Forderungen der damaligen Zeit - Säuglings- und Kleinkinderpflegekurse. Erst 20 Jahre später wurde das Angebot in Kursen wie Nähen, Kochen, Erziehungsfragen, häusliche Kranken- und Gesundheitspflege und Heimgestaltung erweitert.

Nach 1933 mussten die Kursinhalte in den Mütterschulen stark auf die Ideologie der nationalsozialistischen Machtträger ausgerichtet werden. Es wurden insbesondere Beiträge zur Autarkie und Bevölkerungspolitik jener Zeit erwartet. Die Kurse sollten zu einer besseren Nutzung der verfügbaren und zunehmend verknappenden Ressourcen beitragen.

In der Folge wurden immer mehr Mütterschulen gegründet; 1939 waren es bereits 38 im Deutschen Reich. Immer ging es darum, Defizite in der hauswirtschaftlichen Ausbildung - einerseits bedingt durch fehlendes Wissen, andererseits durch das Fehlen der zum Lebensunterhalt notwendigen Mittel - auszugleichen.

2. Die Entwicklung des Bundes der Frauenvereine

Bereits die um die Jahrhundertwende und Anfang des 20. Jahrhunderts gegründeten Frauenverbände hatten sich eine Bildung vornehmlich der Hausfrauen und angehenden Hausfrauen zum Ziel gesetzt.

Auch in Bielefeld wurde 1910/1912 ein Frauenstimmrechtsverein e.V. gegründet. Er wurde später in „Stadtverband der Bielefelder Frauenverbände“ umbenannt und hat nach den wenigen vorliegenden Unterlagen bis zu seiner Auflösung 1933 recht gut und erfolgreich gearbeitet. Die Auflösung erfolgte, da sich die Bielefelder Frauenverbände von der von den Nationalisten erzwungenen Gleichschaltung aller Verbände in die Deutsche Frauenschaft distanzierten. Dieser Verein „Stadtverband der Bielefelder Frauenverbände“ dürfte als Vorläufer des heutigen Bundes der Frauenverbände gelten. Nach dem Krieg waren es insbesondere die Fürsorgerinnen, die eindringlich darum baten, den Stadtverband wieder ins Leben zu rufen. Sie stellten diese Bitte unter dem Eindruck der Kriegsfolgen und Flüchtlingsnöte.

Im Februar 1950 erfolgte dann auf intensive Bemühungen von Frau Hedwig Dornbusch die Gründung der „Frauenvereine Bielefeld Stadt und Land“. Mitglieder waren Vertreterinnen
  • des Stadtverbandes der Frauenhilfen
  • der Frauengilde
  • des Frauenverbandes vom Deutschen Roten Kreuz
  • des hauswirtschaftlichen Frauenkreises
  • des katholischen Frauenbundes und
  • des Lehrerinnenvereins.
Die Vorsitzende war Hedwig Dornbusch.

Im Oktober 1950 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen und von Hedwig Dornbusch, Margarete Schecker, Herta Kisker, Erna Seydel, Helene Landgraf und Josefine Simons unterschrieben. Es sind Namen, die auch heute noch vielen geläufig sind. Als Zweck wurde in der Satzung zunächst angegeben: Zusammenarbeit
  • in allen Frauenfragen, dann
  • in allen sozialen Fragen, später
  • in allen gemeinnützigen Frauenfragen, die sich in diesem Raum ergeben.
Die Aufgaben waren demnach eng verknüpft mit allgemein gesellschaftlichen, sozialen, soziologischen, sozialpolitischen sowie politischen und kulturellen Fragen. Dementsprechend wurde ein weit gespanntes, vielseitiges Arbeitsprogramm durchgeführt, in dem die strukturelle Wandlung von Familie und Gesellschaft und die Stellung der Frau sich widerspiegeln.

Die Entwicklung der Mütterschule

Alle dem Frauenverein angeschlossenen Mitgliedsverbände sahen als ganz große, wichtige Aufgabe die Gründung einer Mütterschule in Bielefeld; sie erfolgte im Jahre 1950. Bereits Mitte November 1950 wurden die ersten Kurse durchgeführt. Es war den Initiatorinnen geglückt, eine engagierte und befähigte Leiterin - Frau Ingeborg Nauwerk - einstellen zu können. Ihr Gehalt betrug 250 DM. Das Programm beinhaltete
  • Fragen des Familienlebens, der Kindererziehung und Heimgestaltung
  • Pflege und Erziehung des Säuglings- und Kleinkindes
  • Gesundheits- und häusliche Krankenpflege
  • Kochen (Herstellung einfacher und schmackhafter Speisen unter gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten)
Das entsprach genau der Intention, die aus einem Brief von Frau Dornbusch vom 28.04.1952 hervorgeht:

„Seit etwa 1½ Jahren hat der Bund der Frauenvereine eine gemeinsame Arbeit aufgenommen und eine Mütterschule ins Leben gerufen. Gerade diese Arbeit erschien am vordringlichsten, weil die Einstellung für den Hausfrauen- und Mütterberuf innerlich bei unserer weiblichen Jugend durch den Krieg weitgehend verloren gegangen war, und weil durch die Umschichtung der sozialen Verhältnisse (Flüchtlings-, Wohnungs-, Gesundheits- und Jugendnöte) alle Frauenkreise gleicherweise von den Schädigungen der Kriegsfolgen betroffen waren ....“

Der Aufbau der Mütterschule war schwierig. Die von der Stadt zur Verfügung gestellten Räume im Jugendheim Niedermühlenkamp waren klein, es fehlte an Geld für die Anschaffung der für die Kurse notwendigen Materialien. Hilfe kam von den Verbänden in Form von Sachspenden wie Nähmaschinen, Geschirr, Kochtöpfe und Material für die Durchführung der Säuglingspflegekurse usw.

Von den Verbänden wurde sowohl die Werbung teilweise übernommen, in dem sie in ihren Veranstaltungen die Mütterschule vorstellten, als auch die Lehrkräfte gestellt und bezahlt. Die Kursleiterinnen erhielten jedoch nur eine geringe Aufwandsentschädigung oder arbeiteten ehrenamtlich. Die Kursgebühr betrug für 10 Doppelstunden DM 5,-. Von November 1950 bis Juli 1951 wurden bereits 16 Kurse durchgeführt.

Aus heutiger Sicht muss dieses Vorgehen als beispielhaft angesehen werden, da hierdurch auf einer praxisbezogenen Grundlage in kürzester Zeit und mit relativ geringen Mitteln viel erreicht wurde.

Hilfe kam auch von der Stadt Bielefeld; sie beteiligte sich mit DM 3.000 jährlich an den laufenden Kosten. Jugendamt, Gesundheitsamt, Wohlfahrtsamt halfen der Mütterschule. Frau Dornbusch wollte jedoch von Anfang an die Selbständigkeit der Schule gewahrt wissen. Das geht aus einem Brief von ihr hervor: „… Da die Mütterschule aber nach unserer Ansicht keinesfalls eine städtische Einrichtung oder eine Wohlfahrtseinrichtung werden darf … und in jeder Weise unabhängig und frei von parteipolitischen bürokratischen Einflüssen bleiben muss …“

Mit viel Engagement, Energie und Willenskraft haben alle an der Mütterschule Interessierten für einen weiteren Entwicklungsschub gesorgt. Sie erfreute sich von Jahr zu Jahr zunehmender Beliebtheit und konnte sich einer immer größeren Besucherresonanz erfreuen.

Am 05.07.1955 wurde Frau Dr. Maria Stemme zur 1. Vorsitzenden des Bundes der Frauenvereine gewählt, nachdem Frau Dornbusch den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste. Dr. Maria Stemme war 11 Jahre Vorsitzende. Ab 1957 war sie gleichzeitig Vorstandsvorsitzende des Vereins Hedwig Dornbusch-Schule e.V.

Im Juli 1957 wurde die Mütterschule als gemeinnütziger Verein ins Vereinsregister eingetragen und erhielt den Namen „Hedwig Dornbusch-Schule e.V.“. Er schloss sich dem Paritätischen Wohlfahrtsverband an. Mitglieder des Vereins waren die Vorstandsvorsitzenden des Bundes der Frauenvereine. Frau Dornbusch wurde Ehrenmitglied des Vereins.

3. Wer war Hedwig Dornbusch?

Hedwig Dornbusch, am 06.04.1887 geboren, war die Frau des Fabrikanten Karl Dornbusch. Sie wird als eine sehr warmherzige Frau beschrieben, die ihre Aufgabe darin sah, anderen Menschen hilfreich zur Seite zu stehen. Sie war Mitbegründerin des 1910 ins Leben gerufenen Vaterländischen Frauenvereins und Vorsitzende des 1950 gegründeten Bundes der Frauenvereine Bielefeld-Stadt und Land. Außerdem war sie in zahlreichen anderen Organisationen aktiv tätig, so in Wohlfahrtsverbänden und -ausschüssen und im Deutschen Roten Kreuz. Das Martha Stapenhorst-Altersheim hat ebenfalls ihre Entstehung Frau Dornbusch zu verdanken.
Mit viel Engagement versah sie ihre sich selbst gesetzten Aufgaben, ging jedoch jeder Würdigung ihrer eigenen Person aus dem Wege.

Ihrem Einsatz in die überragende Arbeit für die einzelnen Familien wie für die Allgemeinheit sowie ihrer tatkräftigen Unterstützung ist es zu verdanken, dass der Bund der Frauenvereine unmittelbar nach seiner Gründung mit der Durchführung seiner Aufgaben beginnen konnte und dass die Arbeit sich bald ausweitete u.a. mit der Einrichtung der Mütterschule.

Wenn sich im ersten Teil der Ausführungen sehr eingehend mit der Institution Mütterschule und den Frauenverbänden befasst wurde, so soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass bei einem Jubiläum „50 Jahre Verein Hedwig Dornbusch-Schule e.V.“ eine Rückschau unverzichtbar ist, denn jeder Tatbestand und jedes Ereignis hat eine historische Orientierung.

4. Von der Mütterschule zur Familienbildungsstätte

Die formale Umgestaltung der Mütterschule in eine Familienbildungsstätte ging einher mit einer Anpassung an die heutigen Bedürfnisse der Familie und entsprechenden Umgestaltung und Ausweitung der Bildungsarbeit.

In den 50-er und 60-er Jahren sahen sich die Mütterschulen mit veränderten Situationen sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Bereich konfrontiert, nachdem durch den wirtschaftlichen Aufschwung relativ schnell die schlechten Lebensbedingungen der ersten Jahre nach dem Krieg überwunden werden konnten. Den aktuellen Zeitfragen angepasst wurden jeweils die Kurskonzeptionen diskutiert und entsprechend modifiziert.

Am 01.07.1977 wurde die Hedwig Dornbusch-Schule nach dem Weiterbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen als Familienbildungsstätte anerkannt.

5. Aufgaben und Ziele des Vereins Hedwig Dornbusch-Schule e.V.

Es ist ein recht breites Spektrum von Themen, mit dem versucht wird, sowohl die politischen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Veränderungen und ihre Ausweitung auf die Familien zu erfassen und durch entsprechende Angebote nachzukommen. Die Aufgaben der Hedwig Dornbusch-Schule leiten sich neben dem Weiterbildungsgesetz ab aus dem
  • Kinder- und Jugendhilfegesetz und den
  • Durchführungsbestimmungen zum Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens.
Das Kinder- und Jugendhilfegesetz fordert, dass Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie bereitgestellt werden, „insbesondere Angebote der Familienbildung, die auf die Bedürfnisse und Interessen sowie Erfahrungen von Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen eingehen, die Familien zur Mitarbeit in Erziehungseinrichtungen in Form der Selbst- und Nachbarschaftshilfe besser befähigen sowie junge Menschen auf Ehe und Partnerschaft und das Zusammenleben mit Kindern vorbereiten“.

Die 3. Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens fordert Angebote für werdende Mütter und Väter, die der Säuglings- und Kleinkindfürsorge dienen und zum Ziel haben, die Säuglingssterblichkeit zu verringern.

Diese Aufgaben wurden und werden von der Hedwig Dornbusch-Schule in den verschiedenen Fachbereichen erfüllt mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bereits 1950 gehörte die Mütterschule wohl zu den ersten ihrer Art, die Kurse für Säuglingspflege verbunden mit Schwangerschaftsgymnastik durchführten.

1963 dienten diese Kurse dem Innenminister von Nordrhein Westfalen als Modell für die durch Erlass geregelten „gesundheitlichen Schulungskurse für werdende Mütter“.

Ein weiteres Novum war die Aufnahme von Rückbildungsgymnastik sowie die Durchführung von Diätkochkursen, die jeweils von einem Arztvortrag eingeleitet wurden.

Schon immer waren für alle Kurse stets entscheidend die jeweils neuesten Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung insbesondere bezüglich der Früherziehung.

Frau Dr. Stemme hat es so formuliert:

Der Begriff „Familienbildung“ hat einen doppelten Sinn:

  1. Vorbereitung für das Werden einer Familienbildung

  2. Familienbildung im herkömmlichen Sinn von „Bildung“.

Beiden Aufgaben hat sich die Mütterschule und die heutige Hedwig Dornbusch-Schule von Anfang an gewidmet, stets bemüht, ihre Aufgabenstellung flexibel den jeweiligen durch die Wandlungen in der Gesellschaft sich ergebenden Erfordernissen und den Wünschen der anzusprechenden Teilnehmer entsprechend anzupassen.

Dr. Elisabeth Bargfrede (2007)


Vorstandsvorsitzende der HDS:

1957 - 1977  Dr. Maria Stemme

1977  Dr. Elisabeth Bargfrede
1978 - 1982  Lore Wilhelm
1982 - 2001  Hildegard Bork
2001 - 2012  Annegret Nordmeyer
2012 - 2014
seit 2014 
Susanne Hellermann
Helga Gießelmann
 
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