Ein Auszug aus dem Artikel von Frau Dr. Elisabeth Bargfrede (2007) zum 50-jährigen Jubiläum der Einrichtung
„Die Wurzel des heutigen Vereins Hedwig Dornbusch-Schule e.V. ist insbesondere die Mütterschule, wie sie sich im letzten Jahrhundert darstellte. Sie war von Anfang an geprägt von der ideologischen Erziehung für die Erfüllung familiärer Funktionen und hauswirtschaftlicher Aufgaben. Träger waren in der Regel die in der jeweiligen Stadt organisierten Frauenverbände. (…)
Auch in Bielefeld wurde 1910/1912 ein Frauenstimmrechtsverein e.V. gegründet. Er wurde später in „Stadtverband der Bielefelder Frauenverbände“ umbenannt und hat nach den wenigen vorliegenden Unterlagen bis zu seiner Auflösung 1933 recht gut und erfolgreich gearbeitet. Die Auflösung erfolgte, da sich die Bielefelder Frauenverbände von der von den Nationalisten erzwungenen Gleichschaltung aller Verbände in die Deutsche Frauenschaft distanzierten. Dieser Verein „Stadtverband der Bielefelder Frauenverbände“ dürfte als Vorläufer des heutigen Bundes der Frauenverbände gelten. Nach dem Krieg waren es insbesondere die Fürsorgerinnen, die eindringlich darum baten, den Stadtverband wieder ins Leben zu rufen. Sie stellten diese Bitte unter dem Eindruck der Kriegsfolgen und Flüchtlingsnöte.
Im Februar 1950 erfolgte dann auf intensive Bemühungen von Frau Hedwig Dornbusch die Gründung der „Frauenvereine Bielefeld Stadt und Land“. Mitglieder waren Vertreterinnen des Stadtverbandes der Frauenhilfen, der Frauengilde, des Frauenverbandes vom Deutschen Roten Kreuz, des hauswirtschaftlichen Frauenkreises, des katholischen Frauenbundes und des Lehrerinnenvereins. Die Vorsitzende war Hedwig Dornbusch. (…)
Alle dem Frauenverein angeschlossenen Mitgliedsverbände sahen als ganz große, wichtige Aufgabe die Gründung einer Mütterschule in Bielefeld; sie erfolgte im Jahre 1950. Bereits Mitte November 1950 wurden die ersten Kurse durchgeführt. (…) Das Programm beinhaltete Fragen des Familienlebens, der Kindererziehung und Heimgestaltung, die Pflege und Erziehung des Säuglings- und Kleinkindes, die Gesundheits- und häusliche Krankenpflege und das Kochen (Herstellung einfacher und schmackhafter Speisen unter gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten). (…)
Der Aufbau der Mütterschule war schwierig. Die von der Stadt zur Verfügung gestellten Räume im Jugendheim Niedermühlenkamp waren klein, es fehlte an Geld für die Anschaffung der für die Kurse notwendigen Materialien. Hilfe kam von den Verbänden in Form von Sachspenden wie Nähmaschinen, Geschirr, Kochtöpfe und Material für die Durchführung der Säuglingspflegekurse usw.. Von den Verbänden wurde sowohl die Werbung teilweise übernommen, in dem sie in ihren Veranstaltungen die Mütterschule vorstellten, als auch die Lehrkräfte gestellt und bezahlt. Die Kursleiterinnen erhielten jedoch nur eine geringe Aufwandsentschädigung oder arbeiteten ehrenamtlich. Die Kursgebühr betrug für 10 Doppelstunden DM 5,-. Von November 1950 bis Juli 1951 wurden bereits 16 Kurse durchgeführt. Aus heutiger Sicht muss dieses Vorgehen als beispielhaft angesehen werden, da hierdurch auf einer praxisbezogenen Grundlage in kürzester Zeit und mit relativ geringen Mitteln viel erreicht wurde.
Hilfe kam auch von der Stadt Bielefeld; sie beteiligte sich mit DM 3.000 jährlich an den laufenden Kosten. Jugendamt, Gesundheitsamt, Wohlfahrtsamt halfen der Mütterschule. Frau Dornbusch wollte jedoch von Anfang an die Selbständigkeit der Schule gewahrt wissen. Das geht aus einem Brief von ihr hervor: „Da die Mütterschule aber nach unserer Ansicht keinesfalls eine städtische Einrichtung oder eine Wohlfahrtseinrichtung werden darf und in jeder Weise unabhängig und frei von parteipolitischen bürokratischen Einflüssen bleiben muss… .“
Mit viel Engagement, Energie und Willenskraft haben alle an der Mütterschule Interessierten für einen weiteren Entwicklungsschub gesorgt. Sie erfreute sich von Jahr zu Jahr zunehmender Beliebtheit und konnte sich einer immer größeren Besucherresonanz erfreuen. (…)
Im Juli 1957 wurde die Mütterschule als gemeinnütziger Verein ins Vereinsregister eingetragen und erhielt den Namen „Hedwig Dornbusch-Schule e.V.“. Er schloss sich dem Paritätischen Wohlfahrtsverband an. Mitglieder des Vereins waren die Vorstandsvorsitzenden des Bundes der Frauenvereine. Frau Dornbusch wurde Ehrenmitglied des Vereins.
Hedwig Dornbusch, am 06.04.1887 geboren, war die Frau des Fabrikanten Karl Dornbusch. Sie wird als eine sehr warmherzige Frau beschrieben, die ihre Aufgabe darin sah, anderen Menschen hilfreich zur Seite zu stehen. Sie war Mitbegründerin des 1910 ins Leben gerufenen Vaterländischen Frauenvereins und Vorsitzende des 1950 gegründeten Bundes der Frauenvereine Bielefeld-Stadt und Land. Außerdem war sie in zahlreichen anderen Organisationen aktiv tätig, so in Wohlfahrtsverbänden und -ausschüssen und im Deutschen Roten Kreuz. Das Martha Stapenhorst-Altersheim hat ebenfalls ihre Entstehung Frau Dornbusch zu verdanken.
Mit viel Engagement versah sie ihre sich selbst gesetzten Aufgaben, ging jedoch jeder Würdigung ihrer eigenen Person aus dem Wege.
Ihrem Einsatz in die überragende Arbeit für die einzelnen Familien wie für die Allgemeinheit sowie ihrer tatkräftigen Unterstützung ist es zu verdanken, dass der Bund der Frauenvereine unmittelbar nach seiner Gründung mit der Durchführung seiner Aufgaben beginnen konnte und dass die Arbeit sich bald ausweitete u.a. mit der Einrichtung der Mütterschule. (…)
Die formale Umgestaltung der Mütterschule in eine Familienbildungsstätte ging einher mit einer Anpassung an die heutigen Bedürfnisse der Familie und entsprechenden Umgestaltung und Ausweitung der Bildungsarbeit.
In den 50-er und 60-er Jahren sahen sich die Mütterschulen mit veränderten Situationen sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Bereich konfrontiert, nachdem durch den wirtschaftlichen Aufschwung relativ schnell die schlechten Lebensbedingungen der ersten Jahre nach dem Krieg überwunden werden konnten. Den aktuellen Zeitfragen angepasst wurden jeweils die Kurskonzeptionen diskutiert und entsprechend modifiziert.
Am 01.07.1977 wurde die Hedwig Dornbusch-Schule nach dem Weiterbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen als Familienbildungsstätte anerkannt. (…)“
1957 – 1977 Dr. Maria Stemme / 1977 Dr. Elisabeth Bargfrede / 1978 – 1982 Lore Wilhelm / 1982 – 2001 Hildegard Bork / 2001 – 2012 Annegret Nordmeyer / 2012 – 2014 Susanne Hellermann / 2014 – 2016 Helga Gießelmann / seit 2016 Meike Haagensen